Michael Sahm – AfD-Politiker zwischen Kulturausschuss und Rassenwahn

vlnr.: Florian Rust, Björn Höcke und Michael Sahm im November 2025 bei der Gründung der AfD Jugend „Generation Deutschland“ in Giessen.

Am 22.01.2026 bestimmte die AfD Bielefeld ihr Fraktionsmitglied Michael Sahm zur Vorsitzenden des Bielefelder Kulturausschusses. Dieser Besetzung wurde am 12.02.26 erfolgreich durch die Fraktionen der demokratischen Parteien des Bielefelder Stadtrats widersprochen, sodass eine neue Besetzung des Ausschussvorsitzes aussteht. Das feministische Naturtrüb Kollektiv hat die Bedeutung des Kulturausschusses für die AfD und die Gefahr einer völkisch-nationalistischen Kulturpolitik schon im Januar benannt. Für die AfD ist die Kultur die Grundlage und Ansatzpunkt ihrer völkisch-nationalistischen Politik, sie ist kein Randthema, sondern zentral. Es geht der Partei um die Veränderung der Gesellschaft von Grund auf, dies beginnt bei Kultur und Bildung. Was wird in Museen ausgestellt? Wie werden Theater gefördert? Welche Veranstaltungen gibt es in der VHS? Welche Perspektiven werden hör- und sichtbar, welche unsichtbar? Wie wird Erinnerungskultur gestaltet? Welche Informationen, Bildungs- und Beratungsangebote sind für wen zugänglich? Wie werden Schulen unterstützt durch kulturelle Angebote? Kultur betrifft viele Bereiche des Lebens ganz alltäglich. Der AfD geht es um die Förderung ihrer völkisch-nationalistischen und menschenfeindlichen Agenda, alles, was nicht darein passt, soll ausgesondert werden. Darum ist die Vergabe des Kulturausschussvorsitzes an Michael Sahm und an jede*n andere*n AfD-Politiker*in gefährlich. Und darum werfen wir einen ausführlichen Blick auf den verhinderten Ausschussvorsitzenden Michael Sahm. Wir zeigen, dass Michael Sahm ein Rassist und Antisemit ist, dass er mit Neonazis zusammenarbeitet und NS-Sprache nutzt. Und das er im Kulturausschuss nichts zu suchen hat.

Ein überzeugter Rassist als Ausschuss-Vorsitzender

Michael Sahm ist ein überzeugter Rassist. Das ist in der AfD sicherlich kein Sonderfall, das Parteiprogramm dreht sich um einen rassistischen, ethnisch-kulturellen Volksbegriff und die Politiker*innen und Mitglieder der AfD vertreten in der klaren Mehrheit nationalistische, völkische, rassistische Überzeugungen. Aber Michael Sahm geht in seinen öffentlichen Äußerungen doch über das Maß hinaus, was andere Partei-Funktionär*innen standardmäßig öffentlich äußern. Auf X (früher twitter) zeigt er sich in den letzten zwei Jahren beständig als ein überzeugter Anhänger von Rassentheorien und verbreitet Aussagen über die vermeintliche White Supremacy (die „weiße Überlegenheit“). Rassentheorien wurden zunehmend ab dem 18. Jahrhundert formuliert und erreichten im 19. Jahrhundert ihre größte Verbreitung in Europa. Ziel war die pseudowissenschaftliche Rechtfertigung von Kolonialismus, Sklaverei, Ausbeutung und Unterdrückung. Im Nationalsozialismus erfuhren Rassentheorien ihre schärfste Zuspitzung und waren zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie und Vernichtungspolitik. Die Behauptungen der Rassentheorien sind schon lange wissenschaftlich widerlegt. Es gibt keine biologisch trennbaren „Menschenrassen“, Menschen sind genetisch unabhängig ihrer Herkunft zu über 99,9% gleich. Der Begriff der „Rasse“ ist historisch mit Kolonialismus, Sklaverei, Genozid und Shoa verbunden. In der Wissenschaft und in gesellschaftlichen Diskussionen wird der Begriff „Rasse“ heute nicht mehr (im Sinne der widerlegten Rassentheorien) verwendet.

Bei Michael Sahm ist das nicht angekommen. Er orientiert sich ganz offen an den Rassentheorien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. So schreibt er am 21.09.24: „Dass der Rassebegriff verworfen wurde, ist reine ‚Ideologie-Scheiße‘. Es gibt tausende Merkmale, die fast jeden Weißen von fast jedem Asiaten unterscheiden. Wer keine deutlich erkennbaren Unterschiede (Optik, Verhalten, IQ…) zwischen den Rassen wahrnimmt, ist weltfremd“. Er behauptet, es gebe „eklatante Unterschiede zwischen menschlichen Rassen. Ebenso wie bei anderen Tieren“ (23.08.24). Er gehe von „fünf Hauptrassen aus“, „Slawen“ seien nach Rassekriterien „nicht bedenklich“ und „kulturnah“ (11.02.25). Es gebe „destruktive und produktive Kulturen. Kein orientalisches und kein afrikanisches Land hat es geschafft eine anständige Zivilisation aufzubauen“ (01.09.24). Eine offenkundig rassitisch motivierte Falschbehauptung. Zur Begründung zieht Sahm die Behauptungen rassentheoretischer Schädelvermessungen heran (27.09.24), auch die Behauptung von „fünf Hauptrassen“ geht auf Rassentheorien des 18. Jahrhunderts zurück. Er fordert, ganz in der historischen Tradition des rassistischen Apartheids-Regimes in Südafrika und der rassistischen Jim-Crow-Gesetze in den Südstaaten der USA, Segregation (22.08.25), also eine ausschließlich auf Rassismus beruhende soziale und räumliche Trennung von Schwarzen und Weißen in allen Lebensbereichen. Das schließt nach Sahm auch Liebesbeziehung und Fortpflanzung mit ein, wenn es nach Sahm geht, dürfen nur bestimmte Menschen miteinander Kinder bekommen: „Viele gemischtrassige Heranwachsende haben ein Identitätsproblem. Anlagen sind genetisch determiniert und sollten nicht weggeworfen werden. Zudem: Ein autochthoner Deutscher wird es immer einfacher haben. Sehe da eine Verantwortung ggü. dem Kind.“ (11.02.25). Was Sahm hier pseudofreundlich als „Verantwortung ggü. dem Kind“ ausgibt, ist nicht anderes als die „rassenhygienischen“ Wahnideen, die im Nationalsozialismus zu dem Verbot von Liebesbeziehung zu nach antisemitischen und rassistischen Kriterien Verfolgten führten. Auf seinem X-Profil lässt sich beobachten, wie Sahm 2024 die zunhemend rassistisch eskalierenden Aussagen von Erik Ahrens feiert und sich zu eigen macht. Ahrens stellt sich mittlerweile als Aussteiger aus der rechten Szene dar. Sahm ist bei der Rassentheorie geblieben. Als sich Maximilian Krah (AfD, EU-Parlament???) im Januar 2026 auf X kritisch zu Martin Sellners Konzept der „millionenfachen Remigration“ äußert und diese mit als Vertreibung bezeichnet, entgegnet Michael Sahm: „Wenn es bei Tausenden geht, geht es auch bei Millionen.“ (07.01.26).

Ausschnitte aus dem Instagram-Account von Michael Sahm zum Themenkomplex „Rassentheorien“ und Rassismus

Im September 2024 schreibt er: „Wir benötigen gar keine Migration und sollten uns zum Wohle der Identität und Wirtschaft gesundschrumpfen. Millionenfache Remigration ist nur der Beginn.“ (21.09.24).

Ausschnitte aus dem Instagram-Account von Michael Sahm zum Themenkomplex „Rassentheorien“ und Rassismus

In seinen Postionen und Forderungen schwankt Sahm irgendwo zwischen Martin Sellners Auswürfen und offen propagierter White Supremacy, in seinem offenen Rassismus ist er in der Sprachwahl nahe an klassischen Neonazi-Strukturen. Dass die AfD Bielefeld Michael Sahm für einen Ausschuss-Vorsitz in Stellung bringt, ist auch Beleg für die Radikalisierung des Ortsverbands unter Führung von Florian Sander und Maximilian Kneller.

Kulturpolitik nach Sahm: Antisemitismus normalisieren

Auf seinem X-Profil offenbart Michael Sahm auch antisemitische Einstellungen. Insbesondere dann, wenn Jüdinnen und Juden sich öffentlich gegen die AfD, gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit positionieren, ruft das Michael Sahms Hass auf den Plan. Als Michel Friedman sich in einer Talkshow für die Verteidigung des ersten Artikels des Grundgesetzes, für die Unantastbarkeit der Würde des Menschen und gegen die AfD ausspricht, twittert Michael Sahm „Qualifikation: Jude sein“ (07.09.25). Am gleichen Tag setzt er nach: „Christen sind den Juden wohlwollend gegenüber. Andersherum erlebt man das weniger. Allerdings verüben Juden im Gegensatz zu Muslimen eher keine Terroranschläge.“ Das generalisierte, vereinheitlichende und abwerte Sprechen über „die Juden“ ist ein Ausdruck von Antisemitismus. In der BRD gibt es keine Aufzeichnungen gezielter antichristlicher Positionierungen von jüdischen Gemeinden oder jüdischen Gruppen, wohl aber eine lange Tradition christlichen Antijudaismus und Antisemitismus. In seinem tweet zu Michel Friedmann entwertet Sahm die öffentliche Position Friedmans, reduziert ihn auf seine Religionszugehörigkeit und deutet damit die antisemitische Erzählung an, die Medien bevorzugten Jüdinnen:Juden oder seien von ihnen kontrolliert. Es ist nicht seine einzige antisemitische Beleidigung gegen Michel Friedmann. Im Januar 2025 schreibt Sahm: „Dieser Junkie prustet sich auf indem er geschichtsrevisionistischen Mist erzählt und wird eingeladen weil er Jude ist.“ (28.01.25). Wenn Michel Friedmann also angesichts der drohenden (und dann nur zwei Tage nach dem 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erfolgten) gemeinsamen Abstimmung von CDU und AfD im Bundestag sich gegen die AfD positioniert, wird er für Sahm dadurch zum Angriffsziel.

Sahm äußert sich immer wieder geschichtsrevisionistisch: „Der Schuldkult beißt sich mit ‚Mensch ist Mensch‘“ (08.05.24). Mit dem rechten Kampfbegriff „Schuldkult“ stellt Sahm die Erinnerungs- und Gedenkkultur in Deutschland in Frage und unterstellt, das Erinnern und Mahnen an den Nationalsozialismus und die deutschen Verbrechen zwischen 1933 und 1945 unterdrücke heute Deutschland. Er behauptet, die Erinnerung an die NS-Verbrechen stünde gegen den Universalismus (also die Annahme der Gleichheit aller Menschen), damit betreibt er Geschichtsrevisionismus und eine Täter-Opfer-Umkehr. Als AfD-Politiker Ulrich Siegmund (Sachsen-Anhalt, zuletzt wegen Vetternwirtschaft in der Presse) im November 2025 mit Holocaust-relativierenden Aussagen Schlagzeilen machte, sprang Michael Sahm ihm im Kommentarbereich von X bei und übertraf die Aussagen, die Siegmund getätigt hatte, durch blanke Holocaust-Relativierung: „Mit der Einschätzung, dass das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgesichte der Holocaust sei, könnte man Geschichtsrevisionismus gegenüber den Gräueltaten des Stalinismus oder Maos betreiben“ (21.11.25). Die Infragestellung der historischen Singularität der Shoa ist ein Ausdruck von Antisemitismus. Am 16.05.25 schreibt Sahm „Der Jude ist uns näher als der Musel.“ (16.05.25). Neben blankem antimuslimischem Rassismus (siehe Abschnitt unten) zeigt sich auch hier Michael Sahms Antisemitismus. Er unterscheidet hier zwischen „Juden“ und „uns“, also zwischen Jüdinnen und Juden und den Menschen, die Sahm für „autochthone Deutsche“ (s.o.) hält und bringt damit zum Ausdruck, dass er Jüdinnen:Juden nicht als deutsch ansieht.

Ausschnitte aus dem Instagram-Account von Michael Sahm zum Themenkomplex Antisemitismus

Die Absonderung und der Ausschluss von Jüdinnen:Juden aus der deutschen Bevölkerung steht in direkter Tradition zum Nationalsozialismus. Diese NS-Tradition findet sich auch in der Behauptung, es gäbe ein spezifisch jüdisches Aussehen. So kommentiert Sahm am gleichen Tag unter einem tweet, in dem das Aussehen des thüringischen Verfassungsschutzpräsidents Stephan Kramer abfällig besprochen wird: „Er geht in seiner Wunschkonfession Jude auf.

Der Bart gehört dazu.“ Die Verbreitung von Antisemitismus ist für Sahm durchaus auch Teil der politischen Strategie und wird bewusst eingesetzt: „Gerade weil ‚globalistisch‘ fälschlicherweise als antisemitischer Code gebrandmarkt wird, sollte man das Wort verwenden um es zu normalisieren.“ (21.09.24). Antisemitismus zu normalisieren ist Teil des Kulturverständnisses von Michael Sahm.

Antimuslimischer Rassismus: Volksverhetzung und Pax Europa

Michael Sahm hängt nicht nur Rassentheorien an und ist Antisemit, sein erklärter Hauptfeind sind Muslim*innen in Deutschland. Auf X nutzt Sahm konstant die Begriffe „Musel“ und „Orientale“, wenn er über Muslim*innen schreibt. Der Begriff „Musel“ hat in der deutschen Neonazi-Szene Tradition und wird seit mehr als 40 Jahren einschlägig zur Abwertung von Muslim*innen genutzt. Mehrfach wurde die Verwendung des Begriffs gerichtlich als Volksverhetzung eingestuft. Auch der von Sahm benutzte Begriff „Orientale“ ist in Sahms Verwendung rassistisch. Mit dem Begriff werden alle Menschen und Gesellschaften des Nahen Ostens, Nordafrikas und Teilen Asiens vereinheitlicht und pauschalisiert. Sahm nutzt den Begriff ausschließlich, um negativ und abwertend über Muslim*innen zu sprechen. Damit greift er eine kolonial-rassistische Sprache auf und behauptet außerdem, Muslim*innen könnten nicht „deutsch“ sein. Am 11.09.24 schreibt Sahm auf X: „Musels sind für den Westen irrelevant. Wir haben keine gemeinsame Schnittmenge. Löst eure Musel-Probleme in eurer Musel-Welt. Wer andere Länder auslöschen möchte, wird hingegen ausgelöscht.“ Hier schreibt ein AfD-Politiker ganz offen, dass er zur Auslöschung einer Menschengruppe bereit ist. Sechs Tage später setzt Sahm nach: „Die Expansions- und Eliminationsgedanken sind stets präsent. Ihr werdet jedoch nicht mehr erobern, sondern verlieren, was ihr belagert, da der gemeine Musel sich seit dem 7. Jh. nicht mehr weiterentwickelt hat.“ (17.09.24). Michael Sahm begreift Muslim*innen als Feind*innen und spricht ihnen ab, „deutsch“ sein zu können, er begreift Muslim*innen in Deutschland als Belagerung. Er wertet Muslim*innen kategorisch als rückständig, bedrohlich und gefährlich ab. Das ist keine Kritik an dem Islam als Religion, das ist antimuslimischer Rassismus. Am 14.04.25 fordert Sahm: „Musel-Verbotszone Deutschland.“ Unter einen antimuslimisch-rassistischen Beitrag des AfD-nahen Magazins Krautzone, in dem Sahms Parteikollege Maximilian Kneller seit Jahren schreibt, äußert sich Sahm wie folgt: „Sie sind egozentrisch, ungebildet und es reicht ihnen in ihrem kleinen Kosmos. Sie stehen häufiger um Weg, sind lauter, nicht bei Kulturveranstaltungen anzutreffen. Das Kulturfremde ist unüberwindbar.“ (20.05.25). Der Begriff „Kulturfremde“ stammt aus dem rassistischen Konzept Ethnopluralismus, dass bspw. die Identitäre Bewegung nutzt, um ihren Rassismus begrifflich zu verschleiern. Mit seinen Äußerungen zu Muslim*innen in Deutschland bewegt sich Sahm im Bereich der Volksverhetzung.

11.10.25, Bielefeld: Michael Sahm am Mikro bei der Kundgebung der „BPE“

Bei der „Bürgerbewegung Pax Europa e.V.“ (BPE) um den antimuslimisch-rassistischen Aktivisten Michael Stürzenberger findet Sahm Gleichgesinnte. Nach Eigenangaben schloss sich Sahm im Frühjahr 2024 der Vereinigung an. Am 11.10.2025 trat er bei einer BPE-Kundgebung am Hauptbahnhof Bielefeld an das Mikrofon und führte seine von X bekannten Ansichten erneut aus. An der Kundgebung nahmen neben Michael Sahm auch Andreas Kaup (AfD Bielefeld, Bündnis gegen Links) und der Neonazi Daniel Kokott (AfD Leopoldshöhe, Freischar Westfalen, DST) teil.

Ausschnitte aus dem Instagram-Account von Michael Sahm zum Themenkomplex Antimuslimischer Rassismus

NS-Sprache, Sexismus und Transfeindlichkeit

In der AfD wird, wie auch in anderen rechten Organisationen, ein starres Geschlechterbild vertreten. Auch Michael Sahm ist hier keine Ausnahme: „Klar haben Frauen Rechte. So soll es auch sein. Sie beschäftigen sich im Schnitt deutlich weniger als Männer mit Politik und müssen in vielen Fällen etwas auf die richtige Bahn gelenkt werden.“ (01.07.24). Frauen brauchen seiner Auffassung nach also männliche Führung und sind nicht an Politik interessiert. „Frauen interessieren sich seltener für Politik. Ebenso sieht es bei MINT-Fächern aus. Das ist genetisch bedingt.“, schreibt Sahm am 16.04.25. Inhaltlich ist das natürlich Quatsch, es gibt keine genetisch festgelegten Interessensgebiete nach Geschlecht. In den Aussagen spiegeln sich Sahms Sexismus und seine Überzeugung von weiblicher Minderwertigkeit und männlicher Überlegenheit.

Michael Sahm wählt zum Ausdruck des starren Geschlechterbilds auch die Sprache des Nationalsozialismus: „Noch viel wichtiger ist die soziale Verantwortung, einen gesunden Volkskörper darzustellen und nicht zu verweichlichen – ergo: sein biologisches Geschlecht zu akzeptieren.“ (02.04.25). In der NS-Ideologie brachte das Wort „Volkskörper“ den völkisch-rassistischen Volksbegriff zum Ausdruck. Menschen, die den Nazis als Feind*innen galten, also Jüdinnen:Juden, Sinti*zee und Rom*nja, Menschen mit Behinderungen, psychisch kranke Menschen, Menschen, die als „asozial“ verfolgt wurden, Homosexuelle, Kommunist*innen, Anarchist*innen und Afrodeutsche (u.a.), wurden als unzugehörig und schädlich für den „Volkskörper“ bezeichnet. Die Idee des „gesundenVolkskörpers“ war in der NS-Rassen- und Euthanasiepolitik zentral. Sahm versteht insbesondere Trans-Identität als eine Gefahr für seine völkischen Fanatsien: „Nein, wir müssen ein gesundes Volk sein, mit gesunder Psyche, Physis und intakten Familien. Wir sind alle dafür verantwortlich dies zu verkörpern.

Ausschnitte aus dem Instagram-Account von Michael Sahm zum Themenkomplex Antifeminismus

Da kann man nicht einfach sagen ‚Ich bin trans‘ und beteilige mich nicht daran.“ (03.04.25). Trans-Identität möchte Sahm wegtherapieren, Konversionstherapien sind in Deutschland aber bereits seit 6 Jahren verboten.

Ausschnitte aus dem Instagram-Account von Michael Sahm zum Themenkomplex Transfeindlichkeit

In der Wissenschaft ist die Tatsache, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und Geschlecht (biologisch und sozial) eher als Spektrum zu begreifen ist, mittlerweile anerkannter Standard. Sahm setzt dem seine menschenfeindliche Ideologie entgegen: „Die Akademie wurde zunehmend linksideologisch. Es braucht keine Studien, um festzustellen, dass es zwei Geschlechter oder Rassen gibt.“ (06.03.25).

AfD und Neonazis Hand in Hand

Im August 2024 beteiligte sich Michale Sahm an einer Aktion der „Freischar Westfalen“

Die BPE-Kundgebung am 11.10.25 ist nicht der einzige Berührungspunkt von Michael Sahm mit dem Neonazi Daniel Kokott. Kokott ist der Kopf der nationalistischen „Freischar Westfalen.

Im August 2024 beteiligte sich Michael Sahm an der neonazistischen Aktion der „Freischar Westfalen“ vor dem Bielefelder Rathaus. Im Nachhinein kommentierte Sahm bezüglicher polizeilicher Maßnahmen dazu auf seinem Instagram-Account.

Wie wir im September 2024 bereits berichteten, beteiligte sich Michael Sahm 2024 an mehreren rassistischen Aktionen der Freischar Westfalen. Im Juli 2024 war Sahm Teil einer Soli-Aktion für das damals verbotene Compact-Magazin. Am 17.08.24 hängte er mit Kokott rassistische Plakate in der Bielefelder Innenstadt auf. Am 25.08.24 beteiligte Sahm sich an einer rassistischen Banneraktion der Freischar Westfalen vor dem historischen Rathaus in Bielefeld. Mit der Neonazi-Aktion am Rathaus zeigt Sahm, der zu diesem Zeitpunkt bereits als „sachkundiger Bürger“ für die AfD im städtischen Anregungs- und Beschwerdeausschuss der Stadt Bielefeld saß, sehr offenkundig seine Ablehnung der städtischen Ratspolitik und parlamentarischer Gremien allgemein.

Kommentar von Michael Sahm auf seinem Instagram-Account zu der neonazistischen Aktion der „Freischar Westfalen“ und der „Aktion Hermannsland“.

Als die Freischar Westfalen am 12.09.24 eine antimuslimisch-rassistische Aktion mit der Neonazi-Gruppe Aktion Hermannsland (Neonazi-Gruppe um Lennard Sanner) durchführt, kommentiert Sahm darunter: „Unsere Ahnen hatten noch ein Gefühl für den Expansions- und Eliminationsgedanken der Muslime. […] Die Einstellung der Muslime hat sich dahingehend bis heute nicht geändert, jedoch hofieren wir sie heute.“ (12.09.24).

Als im Dezember 2024 bei Daniel Kokott eine Hausdurchsuchung wegen seiner Nazi-Aktivitäten stattfindet, solidarisiert sich Sahm auf X. Bei dem von der Freischar geposteten Jahresrückblick zu den Aktionen der Gruppe 2024 schreibt Sahm: „Einfach Helden.“ (31.12.24). Wir haben Sahms Freischar-Aktivitäten im September 2024 öffentlich gemacht. Von der AfD Bielefeld gibt es dazu keine Stellungnahme, weder vom Vorsitzenden Florian Sander noch von Mitglied des Bundestags Maximilian Kneller. Stattdessen benennen sie ihn Anfang 2026 zum Kulturausschussvorsitzenden.

Demo von „Bielefeld steht auf“: links am Megafon Daniel Kokott, rechts daneben Michael Sahm, daneben Florian Rust

Mit seinem Partei-Kollegen Florian Rust besuchte Sahm außerdem mehrfach die Demos der rechten Gruppe „Bielefeld steht auf“ (BSA), bei denen Kokott 2024 noch eine feste organisatorische Rolle hatte. Immer wieder nehmen Neonazis aus ganz OWL, bekannte Holocaustleugner*innen und Reichsbürger*innen an den BSA-Demos teil.

Demo von „Bielefeld steht auf“: rechts hinter dem Transparent Florian Rust, rechts daneben Michael Sahm

Dabei trugen Sahm und Rust ein Banner mit der Aufschrift „Remigration“ des „Bündnis gegen Links“. Das „Bündnis gegen Links“ ist ein von Andreas Kaup (AfD Bielefeld) und Daniel Kokott betriebener Telegram-Kanal, auf dem neben AfD-Propaganda allerhand rassistische und queerfeindliche Hetze verbreitet wird. Natürlich wird auch jede Aktion der Freischar Westfalen dort geteilt und gefeiert. Kaup ist bei jeder BSA-Demo anzutreffen und nahm seit 2018 wiederholt an den Pegida-Aufzügen in Dresden teil. Aktuell sitzt er für die AfD Bielefeld in der Bezirksvertretung Stieghorst. Florian Rust war Vorsitzender der Jungen Alternative Bielefeld, bis er im März 2023 zurücktreten musste. In der Chat-Gruppe der JA Bielefeld hatte Rust den anderen Mitgliedern ein „nächtliches Sieg heil“ gewünscht. „Sieg heil“ ist als Sprachteil des Hitlergrußes in Deutschland strafbar. Im April 2025 stellte die Partei ein eingeleitetes Ausschlussverfahren gegen Rust ein, offene Nazi-Sprache ist für den Bielefelder Ortsverband offensichtlich kein Problem. Während aber das Ausschlussverfahren gegen Rust lief, pflegten Rust und Sahm enge Kontakte.

14.09.24, Schnellroda: Michael Sahm (links) auf dem Weg zum „Preußenfest“.

Sie besuchten gemeinsam BSA-Demos und fuhren September 2024 gemeinsam zu dem sogenannten „Preußenfest“ nach Schnellroda. Das Preußenfest wird seit 2020 von der AfD Saalekreis/Schnellroda unter Führung von Hans-Thomas Tillschneider ausgerichtet und ist ein Beispiel für das Kulturverständnis des AfD. Bei dem volkstümelnden Zusammensein in der Gaststätte treffen radikale AfD-Politiker*innen aus dem ganzen Bundesgebiet mit dem politischen Vorfeld der Partei zusammen. Am 14.09.24 nahmen auch Andreas Kalbitz (flog 2020 wegen seiner verheimlichten HDJ-Mitgliedschaft aus der AfD) und Stephanie und Jürgen Elsässer teil. Jürgen Elsässer gibt das rechte verschwörungsideologische Compact-Magazin heraus und trägt so wesentlich zur Verbreitung rassistischer Hetze und antisemtischer Verschwörungsmythen bei. Das völkische Beisammensein geriet im Nachhinein in die Schlagzeilen, weil Tillschneider und Co. dort eine Preußen-Flagge auf der Bühne präsentierten, die am 02.10.1933 durch NS-Minister und Kriegsverbrecher Hermann Göring eingeführt worden war. NS-Glorifizierung auf offener Bühne – mit Michael Sahm und Florian Rust waren dafür zwei dankbare Abnehmer nach Schnellroda gereist.

Am 16.09.24 postet Michael Sahm ein Bild von ihm zusammen mit dem Neofaschisten Götz Kubitschek („Institut für Staatspolitik“, „Antaios Verlag“, „Sezession“) aus Schnellroda.

Im Anschluss an das Preußenfest besuchte Sahm auch den Neofaschisten Götz Kubitschek in seinem Verlag Antaios. Sahm umschmeichelt Kubitschek bei X und kommentiert das gemeinsame Foto entsprechend: „Götz Kubitschek ist der Initiator einer politischen Revolution, indem er die Wirkmechanismen dazu durchdrungen und mit dem Verlag Antaios das bestmögliche Mittel gefunden hat, die metapolitischen Weichen zu stellen.“ Sahm sucht immer wieder nach politischen Führern, die er umschmeicheln kann. Bis Maximilian Krah sich von den von Erik Ahrens verbreiteten Rassentheorien distanzierte, huldigte er Krah und mischte sich immer wieder in seine Kommentare bei X. Matthias Helferich, AfD-MdB aus Dortmund ist aktuell einer seiner Favoriten. Schwärmerisch schreibt Michael Sahm bei X. „Ich bin Helferich-Ultra.“ (10.04.25). Immer wieder teilt er Helferichs Posts auf seinem Profil. Als Götz Kubitschek Ende März 2025 auf Helferichs Einladung für einen Vortrag nach Dortmund reiste, fand sich auch Michael Sahm im Publikum. Und weil Michael Sahm so sehr auf Führer steht, lies er es sich auch nicht nehmen, am 22.02.26 Björn Höckes und Matthias Helferichs Auftritt an den Externsteinen beizuwohnen.

AfD Bielefeld: ein Stadtverband rückt ins Rechtsradikale

Unter der Führung von Maximilian Kneller (seit 2025 MdB) und Florian Sander hat sich die AfD Bielefeld zu einem Verband entwickelt, der symptomatisch für die Radikalisierung der AfD in den westlichen Bundesländern steht. Innerhalb kurzer Zeit konnte Michael Sahm in dem Ortsverband aufsteigen und als Vorsitzender des Kulturausschusses vorgeschlagen werden. Aus seinem plumpen Rassenwahn macht Sahm dabei keinen Hehl, es ist sofort erkennbar, wen die AfD Bielefeld hier aufgestellt hat. Sahms politische Überzeugungen, seine abstoßende Menschenfeindlichkeit sind für die AfD Bielefeld kein Hindernis, sondern eine Qualifikation. In der Besetzung Sahms zeigt sich, dass die AfD Bielefeld ein Kulturverständnis von 1933 teilt: Millionen Menschen sollen nach Sahms Auffassung aus Deutschland vertrieben und deportiert werden. Er ist überzeugt von Rassentheorien und wünscht sich ein reinrassiges Deutschland. Michael Sahm und die AfD Bielefeld sind eine Gefahr für die diverse und progressive Kulturlandschaft in Bielefeld. Sahms Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Transfeindlichkeit sind eine Gefahr für alle Menschen, die Sahm und die AfD in ihre Feindbilder einordnen. Sahms Zusammenarbeit mit Neonazis und seine Teilnahme an den Aktionen der Freischar Westfalen zeigen ganz eindeutig, dass ihn die von der AfD propagierte Recht und Ordnung nicht interessiert. Es gilt: Kein Ausschuss-Vorsitz, keinen Ratssitz und keinen Meter der AfD.