
Am 29.11.2025 gründete sich die Parteijugend der AfD unter dem Namen Generation Deutschland (GD) neu. Als zentrale Motivation für diese Neugründung kann auch die Vermeidung der Einleitung eines Verbostverfahrens gegen die vormalige Organisation Junge Alternative (JA) angenommen werden. Die JA hatte sich seit ihrem Entstehen 2015 fortschreitend radikalisiert, es gab von Beginn diverse Überschneidungen zur Identitären Bewegung (IB) und anderen neofaschistischen Gruppen und in diversen Landesverbänden dominierte eine offensiv rassistische, völkische-nationalistische Agenda. Schon im Vorfeld der Neugründung zeichnete sich deutlich ab, dass bei der neuen Parteijugend keine Mäßigung oder Neuausrichtung zu erwarten war. Im Gegenteil, die bisherige Ausrichtung sollte beibehalten und die Kontakte in die rechte Szene ausgebaut werden. Die Teilnehmenden des Gründungskongresses sowie der frisch gewählte Bundesvorstand der GD belegten dann auch erwartungsgemäß, dass es sich auch bei der Neuauflage um einen Zusammenschluss von völkischen Nationalist*innen und Neofaschist*innen handelt, die NS-Sprache nutzen, in Teilen selbst der IB angehören und auch Kontakte zu Neonazi-Gruppen nicht ablehnen. Bei den darauffolgenden Neugründungen der einzelnen GD-Landesverbände setzte sich die personelle und ideelle Ausrichtung fort.

Im Landesvorstand der GD NRW sind auch AfD-Jungpolitiker aus OWL vertreten. Felix Hermann Hampe, stellvertretender Sprecher der AfD Lippe aus Augustdorf, ist stellvertretender Vorsitzender der GD NRW. Als Finanzbeauftragter wurde Enrique Feldhaar gewählt. Der 25-jährige Feldhaar wurde nach seinen Angaben im Kommunalwahlkampf 2025 in Essen geboren, als Beruf gab er „Student“ an. Bei der AfD Lippe taucht Feldhaar seit Mitte 2024 auf.
Aber Feldhaar ist als Neonazi schon länger bekannt. Im Juni 2020 nahm Feldhaar an der Sonnenwendfeier der mittlerweile verbotenen Artgemeinschaft in Ilfeld teil. Auch seine Frau Christina Feldhaar nahm an dem mehrtätigen Treffen teil. Die Artgemeinschaft war eine völkisch-rassistische Neonazi-Organisation, deren ideologischer Kern eine Vermischung von Rassenlehren und religiös-spirituellen Glaubenserzählungen ausmachte. Die Organisation wurde 2023 nach 72 Jahren Bestehen verboten. Erst vergangenen Monat wurde das Vereinsverbot gerichtlich bestätigt. Die Zusammenkünfte der Artgemeinschaft wurden geheim organisiert, die Teilnahme erfolgte nur für Mitglieder oder durch persönliche Einladung. Niemand nahm einfach spontan, zufällig oder ohne feste neonazistische Überzeugung daran teil. Die Artgemeinschaft hatte enge Kontakte und vielfache Überschneidungen zu neonazistischen, mittlerweile verbotenen Jugendbünden wie der Wiking-Jugend und der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) sowie zum organisierten Rechtsterrorismus. In der Region OWL ist die Artgemeinschaft ein fester Bestandteil der völkischen Neonazi-Szene um Gerd Ulrich. Mehrere Neonazi-Sippen im Raum Detmold gehören bereits seit Generationen der Artgemeinschaft an. Auch die frühere Vorsitzende der Artgemeinschaft, Julia Czaja lebt mit ihrem Ehemann Rainer Müller im ostwestfälischen Porta Westfalica. Als am 27.09.2023 das Verbot der Artgemeinschaft erfolgte, war eine Reaktion der ostwestfälischen Neonazi-Szene also erwartbar. Diese erfolgte dann am 30.09.23 in der Detmolder Innenstadt. Sechs junge Frauen, alle in langen Röcken und hellen Blusen, stellten sich mit Gitarre und einem Baby im Kinderwagen in der Detmolder Fußgänger*innen-Zone auf und sangen Volkslieder.

Unter den Frauen waren die bekannten Neonazis Gerlinde Ulrich und Ann-Marie Diedrichs, eine weitere junge Frau, Ida W., war zu dem damaligen Zeitpunkt liiert mit den Neonazi Falk Hanusek. Auch die Frau von Enrique Feldhaar, Christina Feldhaar, war unter den weiblichen Neonazis, die in der Detmolder Innenstadt ihre Solidarität mit der Artgemeinschaft zur Schau stellten. Gerlinde Ulrich ist die älteste Tochter der Neonazi Sippe um Gerd und Anna-Maria Ulrich und ist mit dem Neonazi Erik Hanusek verheiratet. Ann-Marie Diedrichs stammt aus einer rechten Familie in Göttingen, war in der Göttinger Neonazi-Szene aktiv und lebt mittlerweile mit ihrem Partner Lennard Sanner in Horn-Bad Meinberg. Wenige Meter neben den Neonazi-Aktivist*innen standen die männlichen Neonazis, alle Partner oder Verwandte der singenden Frauen: Andreas Hanusek (Schwiegervater von Gerlinde Ulrich und Vater der Neonazis Erik, Thoren und Falk), Erik Hanusek (Partner von Gerlinde Ulrich, Sohn von Andreas Hanusek), Lennard Sanner (Partner Ann-Marie Diedrichs), Falk Hanusek (Sohn von Andreas Hanusek und damals Partner von Ida W.) und Enrique Feldhaar. Der völkische Aufzug wurde von der Polizei schnell unterbunden und die Neonazis zogen ab. Der Auftritt zugunsten der Artgemeinschaft war der erste öffentliche Auftritt von Enrique und Christina Feldhaar in der ostwestfälischen Neonazi-Szene. Christina Feldhaar wurde Anfang 2026 wegen ihrer Unterstützung der Artgemeinschaft ihre waffenrechtliche Erlaubnis gerichtlich entzogen. Im Prozess wurde bekannt, dass Christina Feldhaar im September 2021 an einem weiteren mehrtägigen Artgemeinschaftstreffen teilnahm. Ab September 2023 beteiligte sich Enrique Feldhaar an den Aktionen der Neonazi-Gruppe Aktion Hermannsland um Lennard Sanner.


Im Zuge der bundesweiten Proteste gegen die AfD und das Treffen in Potsdam, bei dem AfD-Politiker*innen mit reichen Unternehmer*innen, Neofaschisten wie Martin Sellner und CDU-Mitgliedern über die Möglichkeit der millionenfachen Ausweisung und Vertreibung von Menschen aus Deutschland berieten, wurde am 14.04.2024 auch in Horn-Bad Meinberg eine Kundgebung für Demokratie und gegen Nationalismus abgehalten. Dies rief die Neonazis der Aktion Hermannsland auf den Plan. Während der prodemokratischen Kundgebung näherten sich die Neonazis jeweils zu zweit von drei Seiten der Kundgebung. Auch Enrique Feldhaar bezog mit einem weiteren Neonazi Stellung am linken Rand der Kundgebung. Ann-Marie Diedrichs begann, die Teilnehmenden abzufilmen und zu bedrängen. Im Hintergrund der Kundgebung versuchte Lennard Sanner ein Banner zu entrollen, was durch beherztes Eingreifen von Antifaschist*innen zeitnah verhindert werden konnte.

Der von den Nazis für einen Videodreh geplante Auftritt wurde vereitelt. Daher fuhren die Neonazis an einem der Folgetage zu den nahegelegenen Externsteinen und posierten vermummt mit dem Banner, um doch noch Content für ihr Video zu bekommen. Auf dem später veröffentlichten Video gut zu erkennen mit der Flagge der Aktion Hermannsland: Enrique Feldhaar.
Als am 08.06.24 die AfD eine Wahlkampfkundgebung in Detmold abhiellt, besuchten Feldhaar, Sanner und ein weiterer Neonazi der Aktion Hermannsland die Kundgebung. Fotos belegen den freundlichen Austausch zwischen den AfD-Politikern und den Neonazis. Insbesondere mit Felix Hermann Hampe pflegt Feldhaar bis heute engen politischen und persönlichen Kontakt.

Am 29.06.24 nahm Feldhaar an der Seite von Lennard Sanner und Ann-Marie Dietrichs sowie zwei weiteren Neonazis der Gruppe Aktion Hermannsland an einer rechten Kundgebung in Bad Oeynhausen teil, bei der die rechte Gruppe Bad Oeynhausen erhebt sich versuchte, den gewaltsamen Tod des 20-jährigen Philippos T. in der Kurstadt für ihre rassistischen Zwecke zu instrumentalisieren. Die Angehörigen des Verstorbenen hatten sich deutlich gegen eine solche rassistische Vereinnahmung der Tat und gegen Neonazis ausgesprochen.
Im August 2024 beteiligten sich die Neonazis der Aktion Hermannsland am Wahlkampf der AfD in Thüringen. Bilder ihrer AfD-Unterstützung postete die Neonazi-Gruppe auf Instagram. Feldhaar und ein weiterer Neonazi der Aktion Hermannsland beteiligten sich im August 24 an der Seite von Felix Hampe an dem thüringischen Wahlkampf, was auch Bilder der AfD belegen. Zum AfD-Wahlkampfabschluss reiste auch Lennard Sanner dann nach Erfurt.
Am 12.09.24 veröffentlichten die Aktion Hermannsland und die Freischar Westfalen ein Video einer gemeinsamen antimuslimisch-rassistischen Banneraktion am Hermannsdenkmal. Die Freischar Westfalen, eine Kleingruppe mit wechselnder personeller Zusammensetzung um den Neonazi Daniel Kokott (Leopoldshöhe), hat ihre Aktivitäten mittlerweile nach Eigenangaben eingestellt. Zum damaligen Zeitpunkt veröffentlichte die Gruppe in unregelmäßigen Abständen Videos von rassistischen und queerfeindlichen Banneraktionen im Raum OWL. Unter den fünf an der Aktion beteiligten Neonazis der Aktion Hermannsland ist auch Enrique Feldhaar auszumachen.

Einen Monat später, im Oktober 2024 veranstaltete Kokott unter dem Namen seines telegram-Kanals Heimat erhalten gemeinsam mit der AfD Lippe eine rassistische Kundgebung in Horn-Bad Meinberg. Bei der Kundgebung am 26.10.24 trat Feldhaar erstmals öffentlich als Teil der AfD Lippe auf, an der Seite von Felix Hermann Hampe. Bei der Kundgebung zeigte sich schon 2024 deutlich, wie sehr bei der AfD Lippe die Grenzen zwischen der rechten Partei und der lokalen Neonazi-Szene verschwimmen. Bei der schlecht besuchten Kundgebung machten Neonazis der lokalen Szene einen Großteil der Teilnehmer*innen aus. Neben Lennard Sanner, Justin Steiger und Dennis Hopp nahmen zwei weitere Neonazis der Aktion Hermannsland teil. Auch Gerd Ulrich war mit einigen seiner Kinder vor Ort. Seine Tochter Gerlinde kam mit Partner Erik Hanusek und dem gemeinsamen Baby zur Kundgebung. Arne Ulrich, mehrfach verurteilter Gewalttäter, kam mit seiner damaligen Freundin. Auch der jüngste Spross der Ulrichs, Bernhard, nahm an der Kundgebung teil. Neben Daniel Kokott nahm auch Markus Zurheide von der Freischar Westfalen teil, sowie das Neonazi-Paar Thomas Anders und Jana Lange aus Bielefeld. Während der Kundgebung begrüßte Feldhaar die Neonazis mit freundschaftlichen Handschlag, hielt sich dann aber den Rest der Zeit im Kreis der AfD-Mitglieder wie Hampe, Jakob Baidin, Victor Hübner, Thomas Röckemann und Udo Hemmelgarn auf.
Am 12.11.2024 fanden infolge der vermehrten Aktionen der Neonazi-Gruppen zeitgleiche Razzien bei Lennard Sanner und Ann-Marie Diedrichs in Horn-Bad Meinberg, bei Daniel Kokott (Freischar Westfalen) in Leopoldshöhe, Dario Voss in Bielefeld (Westfalens Erben, Ableger der Identitären Bewegung) und bei einer weiteren Person in Lage Hausdurchsuchungen statt. Gefunden wurden u.a. Schreckschusswaffen, Messer und ein Luftgewehr. Kurz darauf, am 18.11.24, verkündete die Aktion Hermannsland auf TikTok ihre Auflösung. Auflösungserklärungen sind eine beliebte Strategie in der Neonazi-Szene, um staatlichen Repressionen zu entgehen. So auch im Fall der Aktion Hermannsland, die Neonazi-Gruppe ist bis heute aktiv.

Im Oktober 2025 lädt der Account Wanderjugend Westfalen auf TikTok ein Video hoch. In den letzten zwei Jahren hat sich Wandern als eine Angebots- und Selbstdarstellungsform in der rechten Szene in den sozialen Medien entwickelt. Als Gemeinschaftsangebot, Drillmittel und romantische Idee ist Wandern schon historisch fester Teil rechter und neonazistischer Bewegungen. Etablierte Gruppen bewerben Wanderausflüge, organisieren Leistungsmärsche und präsentieren sich mit Bildern von ihren Wanderungen als naturverbunden und sportlich. Neue entstandene Gruppen nahmen in den letzten zwei Jahren den Trend auf, bundesweit entstanden Wandergruppen.

Die Wanderjugend Westfalen folgt diesem Trend. In dem einzigen Video, dass die Gruppe bisher hochgeladen hat, sieht man 6 Männer wandern. Bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass es sich bei der Wanderjugend Westfalen um die Aktion Hermannsland handelt. In dem Video zu sehen sind Sanner, Steiger, Hopp sowie die beiden bisher namentlich unbekannten Neonazis und auch Enrique Feldhaar.

Parallel zu seinen Aktivitäten in der organisierten Neonazi-Szene baute Feldhaar seine Postion in der AfD Lippe aus. Er nahm an internen Parteiveranstaltungen ebenso teil wie an den öffentlichen Wahlkampfständen im Zuge des Bundestagswahlkampf für die Wahl im Februar 2025. Bei dem Kommunalwahlkampf im Sommer 2025 trat Feldhaar als AfD-Vertrauensperson in Schieder-Schwalenberg öffentlich auf und führte die erfolglose Beschwerde gegen die Nichtzulassung der lokalen AfD-Wahlliste. Im September 2025 nahmen Hampe und Feldhaar an einem Treffen in Rheine statt, welches die AfD-Europaparlamentsabgeordnete Irmhild Boßdorf organisiert hatte. Im gleichen Monat bespielten Hampe und Feldhaar diverse Wahlkampfstände in OWL, unter anderem gemeinsam mit Neonazi Burkhart Weecke. Weecke war stellvertretender Leiter des neonazistischen Thule-Seminars, ist in der Neonazi-Szene bundesweit vernetzt und fällt seit 2020 im Umfeld der lokalen AfD auf. Für die Kommunalwahl 2025 stand der Neonazi Weecke mit Hampe auf der Wahlliste der AfD Horn-Bad Meinberg.

Am 03.10.25 beteiligte sich Feldhaar an einem nationalistischen Aufmarsch am Hermannsdenkmal, der von Benedict Doege (Vorsitzender der Jungen Union Köln-Lindenthal) organisiert wurde. Später im Oktober 2025 besuchte Feldhaar mit Hampe, Luca Hofrath und Marius Dusza den IfS-Studientag in Schnellroda. Als sich im November 2025 in Gießen die Jugendorganisation der AfD, die Generation Deutschland neu gründete, nahm Feldhaar mit Felix Hampe am Gründungskongress teil. Nur wenige Tage später besuchte Feldhaar ein AfD-Vernetzungstreffen in Gevelsberg.

Seit Dezember 2025 ist Felhaar Mitglied der Verbandsversammlung des Landesverbands Lippe (LVL). Der LVL übernimmt Aufgaben der Kulturförderung und des Denkmal- und Naturschutzes in Lippe. Parteifreund Hampe kommentierte Feldhaars Mitgliedschaft auf Facebook als „Ende der linken Kulturhegemonie“. Hampe und Feldhaar sind im vergangenen Jahr lokal auch durch die Belästigung und Bedrohung von Lokalpolitiker*innen demokratischer Parteien aufgefallen. Als im Februar 2026 Björn Höcke durch NRW tourte, um den AfD-Landesverband auf seine völkisch-nationalistische Linie zu bringen, und dabei auch die Externsteine besuchte, waren unter den ostwestfälischen AfD-Politikern auch Feldhaar und Hampe. Die beiden nutzten die Gelegenheit, mit dem Faschisten Höcke ein GD-Werbevideo zu drehen.
Mit Enrique Feldhaar ist ein überzeugter Neonazi Teil der Führungsriege der GD NRW, der bis heute aktiver Teil der lokalen Neonazi-Szene ist. Feldhaar steht beispielhaft für die Überschneidungen zwischen neonazistischen und neofaschistischen Gruppierungen und der Partei AfD. Seine Teilnahme an konspirativen Treffen der verbotenen Artgemeinschaft und seine öffentliche Solidarisierung nach dem Verbot, seine Mitgliedschaft bei der Neonazi-Gruppe Aktion Hermannland – all dies sind für die AfD Lippe und die GD NRW keine Hindernisse, sondern Ausdruck der eigenen völkisch-nationalistischen Agenda.